DAS BANAT UNTER TÜRKISCHER BESATZUNG (1526-1717)Am 29. August 1526 erlitt Ungarn in der Schlacht bei Mohács eine entscheidende Niederlage durch das türkische Heer. König Ludwig I. (1516–1526) fiel im Kampf, und der Sieger, Sultan Suleiman I. (1520–1566), besetzte die Hauptstadt Ofen. Nach der Schlacht konnten die Türken große Teile Ungarns und Kroatiens einnehmen und in das Osmanische Reich eingliedern. Es begann das Vordringen der Osmanen nach Mitteleuropa und mit der Errichtung des Paschaliks Ofen wurde die türkische Herrschaft im gesamten Pannonischen Becken etabliert.
Erst 1683 in der Schlacht am Kahlenberg vor Wien bahnte sich eine Wende an. Der endgültige Sieg über die Türken sollte jedoch erst 1718 erreicht werden. Die Befreiung des Donauraumes von osmanischer Herrschaft erstreckte sich über mehrere Jahrzehnte von 1683 bis 1718. Wichtige Etappen der Befreiungskriege waren die Eroberung der ungarischen Hauptstadt Ofen (1686), die Befreiung der Festung Temeschburg (1716) und die Besatzung der Festung Belgrad (1717).
Ein ca. 38.000 Mann starkes Heer machte sich im Frühjahr 1684 unter Karl V. von Lothringen auf, um die Stadt Ofen von den Osmanen zu befreien. Die Belagerung wurde nach 109 Tagen aufgegeben, da die Witterung schlecht, die Moral der Truppe katastrophal und die Türken ein Entsatzheer herangeführt hatten. Erst in einem neuen Feldzug gelang es den kaiserlichen Truppen am 2. September 1686, Ofen zu erobern.
1697 erzielten die kaiserlichen Truppen unter dem Oberbefehl von Prinz Eugen von Savoyen an der Theiß einen blutigen Sieg über die Osmanen. Als der Sultan versuchte die Theiß bei Zenta zu überqueren und sich nach Temeswar ins Winterlager zurückzuziehen, erkannte Prinz Eugen die Absicht des Feindes und entschloss sich sofort zum Angriff. Er überraschte die Osmanen am 11. September 1697 während der Flussüberquerung und fügte ihnen eine vernichtende Niederlage zu. Der nach Temeswar fliehende Sultan verlor 25.000 Mann, wohingegen die Verluste der Truppen des Kaisers 28 Offiziere und 401 Soldaten betrugen. Am 26. Januar 1699 wurde der Friedensvertrag von Karlowitz geschlossen. Er ist nach der heutigen Stadt Sremski Karlovci in der Vojvodina benannt, in der von November 1698 bis Januar 1699 der Friedenskongress abgehalten worden war. Nach Ende des Großen Türkenkrieges (1683-1699) musste das Osmanische Reich auf sämtliche Gebiete nördlich der Donau, mit Ausnahme des Banats, zu Gunsten Österreichs verzichten, welches so den Status einer Großmacht erwarb. Lediglich der gebirgige Osten um Lugosch und Karansebesch sowie ein schmaler Streifen im Norden und Westen Lippa, Tschanad, Betschkerek fielen an Ungarn. Siebenbürgen wurde mit Ungarn wiedervereint, Ungarn wurde Österreich bzw. den Habsburgern zuerkannt.
Im Juli 1716 marschierte eine riesige türkische Armee in Richtung Peterwardein (dem heutigen Petrovaradin, ein Ortsteil von Novi Sad/Neusatz in Serbien), deren Stärke mit 200.000 Mann beziffert wird. Prinz Eugen von Savoyen, seit 1703 Präsident des Hofkriegsrates, standen etwa 70.000 Mann zur Verfügung. Durch ein persönlich geführtes Kavalleriemanöver gelang es Prinz Eugen die türkischen Truppen buchstäblich niederzuwalzen.
Nach der siegreichen Schlacht von Peterwardein (1716) wollte Prinz Eugen seinen Sieg gegen die Türken strategisch weiter ausnützen. Also beschloss er den Angriff auf die Festung Temeschburg und somit die Einnahme des Banats, der letzten Region des alten Königreichs Ungarn, welche noch von den Osmanen gehalten wurde. Am 31. August 1716 hatte Prinz Eugen von Savoyen die Festung Temeschburg umzingelt. Die Belagerung dauerte 42 Tage. Die im August begonnene Belagerung endete ziemlich unerwartet, da die Besatzung im Oktober kapitulierte und ihr samt Zivilbevölkerung der freie Abzug nach Belgrad erlaubt wurde. Am 13. Oktober hissten die Türken die weiße Flagge. Am gleichen Tag noch wurde die Kapitulationsurkunde unterzeichnet. Mit der Übergabe von Temeswar endeten mehr als 160 Jahre türkische Oberhoheit über das Banat, welches bis zum Ende des Ersten Weltkriegs habsburgisch blieb. Temeswar wird nach den Türkenkriegen und der Eroberung des Banats durch Österreich zur Festungs- und Garnisonsstadt ausgebaut und bleibt in den folgenden beiden Jahrhunderten unter österreichischer bzw. später österreichisch-ungarischer Herrschaft. Den Namen verdankt die Stadt der Temesch, liegt aber infolge der Flussbegradigungen aus dem 18. Jh. nicht mehr an derselben, sondern an den Begakanal. Vár bedeutet auf Ungarisch Burg oder Festung. Die deutsche Bezeichnung Temeschburg resultiert aus einer in den 1920er Jahren versuchten Eindeutschung durch deutschnationale Kreise, konnte sich allerdings bei der deutschen Bevölkerung vor Ort nie durchsetzen (dennoch ist der Name Temeschburg in der Bundesrepublik Deutschland bis heute offizielle Bezeichnung).
Nach den Erfolgen von 1716 hieß das nächste logische Ziel Belgrad. Die Stadt liegt genau an der Stelle, an der die Save in die Donau mündet. Durch die Flussbiegungen der Save und Donau war die Festung nur von südlicher Richtung aus direkt angreifbar. Der strategische Wert dieser Position ist sowohl als Bollwerk gegen einen Angreifer aus Südosten als auch gegen einen Angreifer aus Nordwesten unschätzbar hoch und war somit für die Habsburger wie für die Osmanen die Schlüsselstellung auf dem Balkan. Am 22. August 1717 hat Prinz Eugen die Festung Belgrad erobert, indem er sie überraschend nicht von Land, sondern mittels einer Pontonbrücke vom Wasser aus angriff. Nach den zahlreichen Niederlagen dieses Krieges war das Osmanische Reich zum Frieden bereit, genauso aber auch der Kaiser, da Konflikte mit Spanien um Sardinien drohten.
Am 21. Juli 1718 wurde in Passarowitz, dem heutigen Požarevac in Serbien, zwischen Karl VI., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und Sultan Ahmed III. der Friedensvertrag von Passarowitz geschlossen. Er besiegelte die endgültige Niederlage der Türken. Das Osmanische Reich trat das Banat und die Kleine Walachei (im heutigen Rumänien) sowie Nordserbien mit Belgrad und einen Grenzstreifen in Nordbosnien an Österreich ab.
1718 wurde die Militärgrenze des Habsburgerreiches im Temeswarer Banat geschaffen. Die Militärgrenze („Vojna Krajina“) bildete vom 16. bis zum 19. Jahrhundert das Grenzgebiet des Habsburgerreiches zu dem Osmanischen Reich. Es umfasste die Kroatische Militärgrenze und seit dem 17. und 18. Jahrhundert die Slawonische sowie die Banater Militärgrenze. Einige Historiker sprechen auch vom habsburgischen „Limes“. Die Banater Militärgrenze wurde in Serbische (Illyrische), Deutsche (Volksdeutsche) und Rumänische (Walachische) Abschnitte unterteilt.