Mittwoch, 14. Mai 2008

Die Ansiedlung des Banats

DIE ANSIEDLUNG DES BANATS IM 18. JAHRHUNDERT

Während des großen Türkenkriegs (1683-1699) fand eine Dezimierung der Bevölkerung im Banat statt. Die verbliebene Restbevölkerung bestand meistens aus Rumänen und Serben. Es galt eine weitere Abwanderung zu stoppen und die Rückwanderung der Abgewanderten zu fördern. Eine der wichtigsten bevölkerungspolitischen Voraussetzungen war, die richtige Höhe der Besteuerung zu finden, die so ertragreich wie möglich einerseits und noch erträglich für die Untertanen andererseits war. Schon während der Präsidentschaft von Graf Mercy wurden die ersten deutschen Kolonisten im Banat angesiedelt. Graf Mercy gründete in Weißkirchen (im Neratal) eine erste deutsche Neusiedlung mit ausgedienten Kriegsveteranen, Handwerkern und Händlern aus dem Armeetross. In Weißkirchen gab es bereits im Gründungsjahr (1717) 60 aus Lehm gestampfte Häuser.

Für den Festungs- und Straßenbau war es dringend nötig Handwerker ins Land zu bringen. So wurden im Laufe des Jahres 1718 deutsche Handwerker aus Wien nach Lugosch entsandt. Ebenfalls noch vor der bäuerlichen Kolonisation, die 1722 begann, wurden Bergleute ins Banat gebracht. So entstanden die Siedlungen Orawitz, Bogschan, Dognatschka und Galina im Banater Bergland. Im Jahre 1719 ließen sich 150 Beamte der Landesadministration im Banat nieder. All dies belegt, dass die Einwanderung von deutschen Handwerkern, Bergleuten und Beamten noch vor der planmäßigen bäuerlichen Kolonisation von 1722 begonnen hat.

Die Mehrheit der Siedler kam aus Franken, Bayern, Österreich, Elsass-Lothringen, Luxemburg und der Rheinpfalz. Auch kleinere Gruppen aus Mitteldeutschland sind nachweisbar. Nur ein kleiner Teil stammte aus dem Schwäbischen. Warum sich trotzdem die Benennung "Schwaben" durchsetzten konnte, ist nicht geklärt. Wahrscheinlich ist es dem Umstand zu verdanken, dass die Mehrheit der Auswanderer in der schwäbischen Stadt Ulm registriert und eingeschifft wurde und mit „Ulmer Schachteln“ auf der Donau bis Belgrad transportiert wurde, um von dort zu Fuß ihre neue Heimat zu erreichen

Die meisten Siedler stammten aus ländlichem Milieu und waren Zweit- und Drittgeborene aus armen Bauernfamilien, die ohne eigenen Grundbesitz und ohne Kapital in ihrer Heimat wenige Chancen sahen. In der Zeit Maria Theresias bekamen sie eine merkliche finanzielle Unterstützung und langfristige Steuer-Erleichterungen. Letztere fielen für Verheiratete um ein Vielfaches höher aus, weil sonst der Männerüberschuss zu groß gewesen wäre. Auch Handwerker wurden finanziell gefördert, ebenso Lehrer, Ärzte usw. So manche Aussiedler-Gruppe wurde gleich vom Pfarrer begleitet. Als Gegenleistung wurden die Siedler in der Ansiedlungszeit dazu verpflichtet, im Falle einer türkischen Invasion das Land zu verteidigen.

Zwischen den Jahren 1722 und 1788 gab es drei große "Schwabenzüge". Während dem ersten Schwabenzug, dem Karolingischen (1722-1738), wurden im Banat 57 deutsche Dörfer gegründet, es wurden etwa 23 000 Deutschen angesiedelt. Die Theresianische Kolonisation erfolgte zwischen 1763 und 1780. Dann wurden 33 deutsche Dörfer gegründet, mit insgesamt rund 30 000 Bewohnern. Die letzte Kolonisationswelle, die Josephinische Ansiedlung, fand zwischen 1782 und 1788 statt. Als die Ansiedlung der deutschen Kolonisten zu Ende ging, gab es im Banat 105 deutsche Ortschaften, mit insgesamt 75 000 Einwohnern. Im Jahre 1900 war die Anzahl der Deutschen im Banat auf 450 000 gestiegen. Für eine Zeitspanne war Deutsch die Amtssprache im Banat.