DIE KAROLINISCHE ANSIEDLUNG (1722-1726)Unter der Regierung von Karl VI. (1685-1740), Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation (1711-1740), erreichte das Habsburgerreich seine größte Ausdehnung. Von 1438 bis 1740 gehörten alle Kaiser des Heiligen Römischen Reiches dem Haus Habsburg an.
Die systematische, planmäßige bäuerliche Kolonisation setzte 1722 ein. Um Ausreisewillige zu gewinnen, wurden Werber eingesetzt. Sie waren auch für den Transport der Kolonisten zuständig. Die Auswanderer erhielten kostenlos fruchtbaren Boden, drei steuerfreie Jahre, einen Reisekostenzuschuss von einem Gulden und 30 Kreuzer für jeden Erwachsenen über 15 Jahre. Die Anwerbungsgebiete erstreckten sich über Lothringen, die Pfalz, Baden, Hessen, Nassau, Worms, Speyer, Straßburg. Die Einschiffung der Ausreisewilligen fand in Ulm, Regensburg oder Donaueschingen statt. Von Wien ging es dann weiter über Belgrad bis Neupalanka und Pantschowa, wo die Kolonisten ausgeschifft und an ihren Bestimmungsort gebracht wurden. Da die Landesherren durch die Auswanderung Steuerausfälle befürchteten, hielten sie hohe Abzugsgelder ein, was viele von einer Abwanderung abschreckte. Kaiser Karl VI. intervenierte persönlich bei diesen Landesherren zwecks einer Erleichterung der Auswanderung in sein Erbkönigreich Ungarn.
Die erste planmäßige Ansiedlung fällt in die Jahre 1722-1726 und ist vorwiegend von militärischen Gesichtspunkten zur Festigung der Grenzen bestimmt. Im Norden wurden die Dörfer Perjamosch, Neu-Arad, Saderlach, Deutsch-St.-Peter, Guttenbrunn, Lippa gegründet. Im Osten entstanden die Bergbauorte Orawitz, Dognatschka, Bogschan. Im Süden wurde Tschakowa, Woiteg, Detta und Denta angesiedelt. Als Verwaltungsorte wurden Karansebesch, Lugosch, Fatschet, Groß-Betschkerek und Pantschowa eingerichtet. Die Verbindung zwischen Temeswar und Lugosch wurde über Rekasch gesichert.
Während der letzten Periode der Präsidentschaft von Mercy 1726-1734 fand keine Ansiedlung mehr statt. General Hamilton, der Nachfolger Mercys, gründete 1735 zu Ehren seines Vorgängers Mercydorf, das er mit Italienern aus Südtirol ansiedelte. 1734 veranlasste Hamilton das Erstellen einer ausführlichen Landesbeschreibung unter der Bezeichnung „Coreographia Bannatus Temessiensis“, die als Meisterstück dieser Sparte betrachtet werden kann. Der Hamilton-Bericht umfasst die geographischen und demographischen Verhältnisse des Landes, das Verfassungs- und Verwaltungsrecht, das Finanzwesen, die Situation der Bergwerke, des Handels und des Justizwesens (die Notwendigkeit einer Landmiliz, um gegen das Räuberunwesen wirksam vorgehen zu können). 1736 stellte Hamilton einen Antrag auf Wiederaufnahme der deutschen Kolonisation. Die Ansiedlungsbedingungen waren etwas günstiger geworden. Die steuerfreien Jahre wurden von drei auf fünf erhöht, freier Transport der Kolonisten wurde zugesichert, allerdings mussten die Ansiedler einen Mindestbetrag von 200 Gulden in bar für die Errichtung des Hauses und für die Anschaffung von landwirtschaftlichen Geräten mitbringen.
Einer der wichtigsten Wirtschaftszweige im Banat war der Ackerbau. Die rumänischen und serbischen Bauern hatten sich vorwiegend auf den Anbau von Mais festgelegt. Graf Mercy begann den Anbau von Weizen, Gerste, Hafer und Roggen einzuführen. Dafür brachte er Saatgut aus Österreich ins Banat. In der türkischen Zeit wurde der Weinbau stark vernachlässigt. Durch die Beschaffung von edlen Rebsorten versuchte man den Weinbau im Banat wieder empor zu bringen. Ferner wurden durch den Anbau von Maulbeerbäumen die Seidenraupenzucht und deren Verarbeitung in Manufakturen gefördert, ebenso der Hanfanbau, der zum Herstellen von Seilen diente. Die Viehzucht war ein weiterer wichtiger Wirtschaftszweig besonders die Zucht von Hornvieh wegen den ausgedehnten Weideflächen. Zum Einführen besserer Rassen entstanden 1721 in Winga und Modosch zwei Zuchtstationen. Im Banater Bergland war die Ausbeutung der Erzvorkommnisse und deren Verarbeitung der wichtigste Wirtschaftszweig. In Orawitz und Moldowa wurde Kupfer, in Dognatschka Silber und Blei und in Bogschan Eisenerz gewonnen. In Bogschan wurde 1721 der erste Hochofen in Betrieb gesetzt. Für Militär- und Festungsarbeiten war das Handwerk von großer Bedeutung. Dem Handwerk galt die besondere Förderung der kameralen Verwaltung. Handwerker erhielten bei ihrer Niederlassung im Banat eine Abgabenfreiheit von 6 Jahren.