Mittwoch, 14. Mai 2008

Einführung in die Geschichte der Banater Schwaben



Allgemeines
Das Banat ist ein Landstrich in Südosteuropa, der sich im Dreiländereck Ungarn-Serbien-Rumänien befindet und von der Marosch im Norden, der Theiß im Westen, der Donau im Süden und den Karpaten im Osten begrenzt wird. In der Antike war das Banat Teil des Königreichs Dakien und später nach den Trajan-Kriegen Teil der römischen Provinz Dacia. Während der Awarenzeit im 5. und 6. Jahrhundert siedelten sich Slawen in der Region an. Jahrhunderte später fiel das Banat an das Königreich Ungarn. Die Osmanen eroberten es 1526 und hielten es mehr als 160 Jahre besetzt, als es 1718 an Österreich fiel und bis zum Ersten Weltkrieg Teil Österreich-Ungarns blieb. Am 21. Juni 1919 wurde das Banat dreigeteilt. Gemäß dem Vertrag von Trianon fielen 18.945 km² an Rumänien (die Kreise Temesch, Arad und Karasch-Severin, sowie ein Teil der Kreise Hunedoara und Mehedinti), 9.307 km² an das Königreich Jugoslawien (die Vojvodina und Zentralserbien), und 217 km² verblieben bei Ungarn (Komitat Csongrád). Das rumänische Banat besteht im Westen aus einem Teil des Pannonischen Flachlandes („die Heide“), im nordöstlichen Teil aus Hügelland („die Hecke“) und im Südosten aus den Karpaten („das Banater Bergland“). Wirtschaftliches und kulturelles Zentrum ist die Großstadt Temeswar/Timisoara. Der serbische Teil besteht fast nur aus Flachland. Mitten durch das Banat fließt die Temesch. Sie hat der Metropole des Banats, Temeswar, ihren Namen gegeben. Für die meisten Historiker geht der Name Banat auf die mittelalterliche ungarische Grenzmark zurück, an deren Spitze ein "Banus", ein Markgraf, stand.
Die Vorfahren der Banater Schwaben sind vor fast 300 Jahren aus verschiedenen Teilen Süddeutschlands in das nach den Türkenkriegen fast entvölkerte Banat ausgewandert. Die Mehrheit der Siedler kam aus Franken, Bayern, Österreich, Elsaß-Lothringen, Luxemburg, aus dem Rheinland und aus der Pfalz. Auch kleinere Gruppen aus Mitteldeutschland sind nachweisbar. Nur ein kleiner Teil stammte aus dem Schwäbischen. Warum sich trotzdem die Benennung "Schwaben" durchsetzen konnte, ist nicht geklärt. Wahrscheinlich ist es dem Umstand zu verdanken, dass die Mehrheit der Auswanderer in der schwäbischen Stadt Ulm registriert und eingeschifft wurde und mit den so genannten „Ulmer Schachteln“ auf der Donau bis Belgrad transportiert wurde, um von dort in die Bestimmungsorte gebracht zu werden. Die Besiedlung des Banats fand in mehreren Etappen statt und war eine großangelegte, systematische und bis ins Detail geplante Aktion der österreichischen Verwaltung. Dörfer, Städte und Straßen wurden auf dem Reißbrett entworfen und widerspiegelten in ihrer Symmetrie die damalige absolutistische Baukultur. Die Ansiedler fanden das Banat als nahezu menschenleere, von Wäldern durchzogene Sumpflandschaft vor. Entscheidend für das Gelingen der Ansiedlung im Banat war die Eindämmung der Sümpfe durch die Kanalisation der Bega. Der gewonnene Ackerboden erwies sich als äußerst fruchtbar und begründete den Wohlstand der Banater Schwaben im 19. Jahrhundert. Der Landstrich galt als Kornkammer Österreich-Ungarns. Die Festung Temeswar wurde zur blühenden Stadt und zum kulturellen Zentrum der Banater Schwaben.