DIE THERESIANISCHE ANSIEDLUNG (1763-1772)Erzherzogin Maria Theresia von Österreich (1717-1780), war eine österreichische Fürstin aus dem Hause Habsburg. Als regierende Erzherzogin von Österreich und Königin von Ungarn und Böhmen (1740–1780) war sie eine der mächtigsten Herrscherinnen ihrer Zeit. Sie selbst war eine Kaiserin nur im Sinne der Kaisergattin, hatte jedoch zweifellos mehr Macht als ihr Mann, Franz I. Stephan von Lothringen (1708-1765), Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation von 1745 bis 1765.
Im Gegensatz zu der Karolinischen Ansiedlung, die weitestgehend von den Landesherren organisiert wurde, ist die Theresianische Ansiedlung das Werk des Österreichischen Hofs. Nach dem Belgrader Frieden (1739), der Österreich große territoriale Verluste abverlangte, war das Banat wieder unmittelbares Grenzland. Der Frieden von Belgrad vom 18. September 1739 stellt den Abschluss des 7. Österreichischen Türkenkriegs dar. Dabei verlor Österreich die meisten seiner Erwerbungen aus dem Frieden von Passarowitz vom 21. Juli 1718 wieder an das Osmanische Reich. Ihm blieb nur das Temeswarer Banat, während die Kleine Walachei sowie Nordserbien mit Belgrad und ein Grenzstreifen in Nordbosnien verloren gingen.
Die banatische Ansiedlung während der Theresianischen Herrschaft kann in zwei Etappen unterteilt werden: die Frühtheresianische Zeit (1746-1752) und die Hochtheresianische Zeit (1763-1772).
Die Frühtheresianische Ansiedlung (1746-1752) wurde von der Wiener Hofkammer organisiert und war zunächst bestrebt, die Aktivposten der Banater Wirtschaftsbilanz, den Bergbau und die Viehzucht, zu fördern. Bereits 1940 wurde die bergmännische Kolonisation wieder aufgenommen. Die Bergbauorte Dognatschka, Moldowa, Bogschan, Mehadia, Tschiklowa, Karansebesch und Orawitz erhielten Zuwachs aus der Steiermark, Tirol und Siebenbürgen. Desgleichen erhielten 1741 die Orte Tschanad, Guttenbrunn und Werschetz deutsche Siedler. Kudritz wurde neu gegründet. Das völlig zerstörte Rekasch wurde 1740 neu angesiedelt und in Pantschowa die deutsche Bürgermiliz gegründet. Dank dieser Bevölkerungspolitik in den Nachkriegsjahren stiegen die Steuereinnahmen erheblich.
Zur Beschaffung der Auswanderer für die Ansiedlung im Banat wurden Bauernwerber eingesetzt, die die Aufgabe hatten die Begünstigungen bekannt zu machen und den Transport zu organisieren. Nach dem Erbfolgekrieg von 1740-1748, der durch den Frieden von Aachen beendet wurde, hat Österreich den größten Teil Schlesiens an Preußen abtreten müssen.
Der Österreichische Erbfolgekrieg (1740–1748) brach nach der Thronbesteigung Maria Theresias aus, da mehrere deutsche und europäische Fürsten die Pragmatische Sanktion nicht anerkannten, in der Maria Theresias Vater, der römisch-deutsche Kaiser Karl VI., die Thronfolge in weiblicher Linie festgelegt hatte. Am 18. Oktober 1748 hatte der Frieden von Aachen den Österreichischen Erbfolgekrieg beendet, ohne dabei das Konfliktpotential zwischen den Großmächten zu beseitigen. In Österreich wurden nach den Erfahrungen des Krieges wichtige Staats- und Heeresreformen eingeleitet, welche die österreichische Armee qualitativ verbesserten und auf den folgenden Siebenjährigen Krieg (1756-1763) vorbereiteten.
Durch den Territorialverlust (Schlesiens) nach dem Erbfolgekrieg gewann das Banat eine neue Bedeutung als Rohstofflieferant und als Grenzgebiet. So wurden verstärkt Anstrengungen der Besiedlung dieser Region unternommen. 1746 wurde Beschenowa mit Kolonisten aus Trier, dem Saarland und aus Lothringen angesiedelt. Die Besiedlung zwischen der Bega und der Marosch geht stark auf die Werbetätigkeit von privaten Werbern zurück, die meist wegen einer Erbschaft in die Heimat reisen mussten und auf dem Rückweg Gruppen von Auswanderer mitbrachten.
Der Stand der deutschen Siedlungen im Banat war im Frühjahr 1949 folgender:
- im Distrikt Lippa: Guttenbrunn, Lippa und Arad
- im Distrikt Tschanad: Perjamosch und Tschanad
- im Distrikt Werschetz: Kudritz und Werschetz
- im Distrikt Lugosch: die Stadt Lugosch
- im Distrikt Temeswar: 5 reindeutsche Dörfer Freidorf, Ulmbach, Bruckenau, Saderlach - und Deutsch-St.-Peter und 3 gemischte Ortschaften Jahrmarkt, Mercydorf und Rekasch sowie die Stadt Temeswar (Innere Stadt, Fabrikstadt und Meierhöfe).
Die Viehzucht war der wichtigste Wirtschaftszweig im Banater Tiefland. Die gesamte Weidefläche war in Prädien aufgeteilt und wurde an Meistbietende verpachtet. Um neue Siedlungen zu errichten wurden die Pachtverträge bei deren Ablauf nicht mehr verlängert. 1750 wurden die langwierigen Verhandlungen über die Verlängerung der Pachtverträge abgeschlossen. Dabei setzten die Viehzüchter durch, die Laufzeit der neu abgeschlossenen Verträge von 6 auf 10 Jahre zu erhöhen. Dies sollte vor allem zum Erhalt der Prädien als Weideland und zur Sicherung des Viehbestandes dienen. Von einer ackerbaulichen Erschließung des Banats kann erst nach dem Siebenjährigen Krieg (1756-1763) die Rede sein.
Der Dreißigjährige Krieg von 1618 bis 1648 war ein Konflikt um Hegemonie oder Gleichgewicht zwischen den Mächten Europas und zugleich ein Religionskrieg. In ihm entluden sich sowohl die Gegensätze zwischen der Katholischen Liga und der Protestantischen Union innerhalb des Heiligen Römischen Reiches als auch der habsburgisch-französische Gegensatz auf europäischer Ebene. Gemeinsam mit ihren jeweiligen Verbündeten in Deutschland trugen die habsburgischen Mächte Österreich und Spanien ihre dynastischen Interessenkonflikte mit Frankreich, den Niederlanden, Dänemark und Schweden aus. Die Feldzüge und Schlachten fanden überwiegend auf dem Boden des Reiches statt. Die Kriegshandlungen selbst, aber auch die durch sie verursachten Hungersnöte und Seuchen verheerten und entvölkerten ganze Landstriche des Reiches. In Süddeutschland etwa überlebte nur ein Drittel der Bevölkerung. Alle wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse wurden völlig umgestürzt. Die durch den Krieg betroffenen Territorien und das Reich als Ganzes brauchten mehr als ein Jahrhundert, um sich von den Kriegsfolgen zu erholen. Der Dreißigjährige Krieg endete mit dem Westfälischen Frieden am 24. Oktober 1648.
Hungersnot und Elend führten in einigen Gebieten des Reiches zu Aufruhr. 1750 waren im Hauensteiner Land politische Unruhen ausgebrochen. Die Salpeterer im Hotzenwald (der südliche Schwarzwaldausläufer) wehrten sich gegen die Leibeigenschaft. Immer wieder wurden im Verlauf der Salpeterer Unruhen die so genannten »Rädelsführer« verfolgt und hart bestraft. Sie kamen häufig ins Gefängnis oder wurden gar hingerichtet. 112 Hauensteiner Männer, Frauen und Kinder wurden ins Banat verbannt. Auf sieben Wagen verteilt, wurden sie paarweise zusammengekettet. Vom Gefängnis Waldshut ging die traurige Fahrt bis nach Günzburg, wo sie auf die so genannten «Ulmer Schachteln» verladen wurden und mit diesen die Donau abwärts bis nach Temeswar, dem Ziel ihrer Verbannung gebracht wurden. Die Kosten für den Transport mussten sie selbst bezahlen. Dazu wurden ihre Güter verkauft und vom Erlös wurden die Transportkosten abgezogen. Der Restbetrag wurde den Verbannten erst sehr spät nachgeschickt.
Nach dem Frieden von Passarowitz wurde die Theiß-Marosch-Grenze als Schutzwall gegen die Türken überflüssig. Maria Theresia, die im Erbfolgekrieg (1740-1748) auf die Unterstützung Ungarns angewiesen war, sah sich gezwungen, die Wiedereingliederung des Banats in den ungarischen Staatenverbund zu versprechen. Somit veranlasste sie 1750 die Umsiedlung der Grenzer an der Theiß und Marosch, was jedoch auf großen Widerstand seitens der Grenzer stieß. Zur Beruhigung der aufgebrachten Grenzer wurde 1752 aus deren Reihen die Landmiliz gegründet, die im Südosten des Landes zum Schutz der Donau angesiedelt wurde. Die Einwanderung deutscher Kolonisten kam nach dem Ausbruch des Siebenjährigen Krieges 1756 zum Stillstand.
Die Hochtheresianische Ansiedlung (1763-1772)
Im Siebenjährigen Krieg (1756 bis 1763) kämpften mit Preußen und Großbritannien auf der einen Seite und Österreich, Frankreich, Russland auf der anderen Seite alle europäischen Großmächte der Zeit. Viele mittlere und kleine Staaten waren ebenfalls beteiligt. Der Krieg wurde in Mitteleuropa, Nordamerika, Indien, der Karibik sowie auf den Weltmeeren ausgefochten und war damit in gewissem Sinne eigentlich ein Weltkrieg. Für England und Frankreich ging es hierbei um die Herrschaft in Amerika und in Indien. Für die Bevölkerung der beteiligten Staaten in den Kriegsgebieten hatte der Krieg zum Teil katastrophale Auswirkungen. Der Verlust an Soldaten war groß. Auch die Zivilbevölkerung wurde dezimiert und litt sehr stark unter Plünderungen, Zwangsrekrutierungen und Kontributionszahlungen. Am 15. Februar 1763 wurde der Frieden von Hubertusburg zwischen Preußen und seinen Gegnern geschlossen. Somit war der Status Quo vor Ausbruch des Siebenjährigen Krieges wiederhergestellt. Der Besitz Schlesiens wurde Preußen endgültig bestätigt.
Nach dem Hubertusburger Friedensvertrag (1763), der das Ende des Siebenjährigen Krieges bedeutete, wurde die Bevölkerungspolitik im Banat wieder aufgenommen. Bereits 1763 und 1764 wurden deutsche Einwanderer in die schon bestehenden Dörfer gebracht. Die große Theresianische Impopulation war eine planmäßige, systematische Bevölkerungspolitik. Zu diesem Zweck wurde 1766 die Impopulationskommission in Wien gegründet. Gleichzeitig wurde beschlossen bei den Neuansiedlungen keine Rücksicht auf die Prädien zu nehmen. Jedes Dorf sollte einen Lehrer, einen Pfarrer und je zwei Dörfer einen Feldtscher bekommen. Es wurde eine große Werbeaktion in Südwestdeutschland gestartet. Die Ausreisewilligen mussten sich von ihren Grundherren aus der Leibeigenschaft loskaufen. Die Höhe dieser so genannten Manumissionsgebühr war nach Zeitpunkt und Territorialzugehörigkeit verschieden. Wenn jemand unerlaubt auswanderte, wurden sein Vermögen und seine späteren Erbansprüche beschlagnahmt. Die Hauptursachen der Auswanderung waren Elend und Not sowie die Hoffnung auf ein besseres Leben. Nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648), dem Österreichischen Erbfolgekrieg (1740–1748) und dem Siebenjährigen Krieg (1756 bis 1763) war das Land zerstört und der größte Teil der Bevölkerung verarmt. Die Auswanderer hofften in Ungarn ihr Glück zu finden.
Es wurde ein Werbebrief entworfen, der in Zeitungen veröffentlicht wurde. 1766 wurde Wilhelm Johann von Hildebrand als Administrator ins Banat geschickt. Das Hildebrandsche System basierte auf Neugründungen von Ortschaften. Unter seiner Leitung fanden folgende Neugründungen statt: Beschenowa, Billed, Neudorf, Hatzfeld, Landestreu, Tschatad (Lenauheim), Großjetscha, Grabatz, Bogarosch. Die Theresianische Ansiedlung beruhte auf einem Antizipationssystem, d.h., die Kosten für den Hausbau und die Verpflegung wurden vorgestreckt, das Grundstück wurde damit belastet und die Schuld wurde in den nächsten Jahren abgetragen. 1768 wurde Hildebrand die Leitung der Impopulation entzogen.
Die Neumannsche Ansiedlung führte 1770 zur Gründung folgender Dörfer: Kleinjetscha, Heufeld, Mastort, Marienfeld, Albrechtsflor und 1771 zur Besiedlung des Berksowatals: Buchberg, Neuhof, Altringen, Charlottenburg, Königshof, Blumenthal sowie der Dörfer im Arader Land Segenthau, Wiesenhaid, Kreuzstätten und der Franzosendörfer Sankt-Hubert, Seultour und Charleville.
1772 wurde Hildebrand rehabilitiert und nahm die Ansiedlungstätigkeit wieder auf und gründete Triebswetter, Gottlob und Ostern. Mit seinem Tod endete die Theresianische Impopulation. Die Kosten der Theresianischen Impopulation werden aus 2 Millionen Gulden geschätzt. Während der Theresianischen Zeit wurden im Banat 11.000 Familien mit insgesamt 42.000 Personen angesiedelt. Die Ansiedlung der Deutschen im Banat hat sich entscheidend auf die wirtschaftliche Entwicklung der Region ausgewirkt.
Die Familien der ersten Einwanderer sind zum Großteil wieder verschwunden. Sie gingen an Krankheit und Not zugrunde oder wanderten wieder ab. Das Banater Schwabenvolk geht aus einem Ausleseprozess größten Ausmaßes auf eine relativ geringe Anzahl besonders lebensfähiger Ahnen hervor.



